wm 2021Die USA lässt Deutschland keine Chance und holt sich den 3. Platz. Bis in die Verlängerung ging das Finale, dann zwang Kanada Finnland in die Knie.

Spiel um den 3. Platz: USA – Deutschland 6:1 (1:0/4:0/1:1)

Im Gruppenspiel mussten die USA alles aufbieten, um am Ende mit 2:0 zu gewinnen. Und Deutschland wollte unbedingt dieses Spiel gewinnen, dann hätte sich das Team für eine klasse WM mit einer Medaille belohnt. Es gab zwei Änderungen, für Frederik Tiffels rückte Dominik Bittner ins Team und im Tor begann Felix Brückmann.

Deutschland bekam schon nach 58 Sekunden zu einem Powerplay, Jason Robertson kassierte für einen hohen Stock 2+2-Minuten. Aber die USA stand gut und kaum waren sie komplett, trafen sie zum 1:0. Christian Wolanin erkämpfte sich im Mitteldrittel den Puck, ging durch und ließ Felix Brückmann keine Chance. So führte die USA nach sechs Minuten mit 1:0. Deutschland versuchte zu antworten, die USA konterten. So gab es Chancen auf beiden Seiten. Deutschland hatte im 1. Drittel mehr Spielanteile und mehr Torchancen, die USA führte nach 20 Minuten.

Im 2. Drittel lief bei Deutschland nichts mehr zusammen. Nach einigen guten Chancen zu Beginn des Drittels zeigten die USA was Effektivität ist. Conor Garland traf nach 27 Minuten zum 2:0 und 98 Sekunden später nutzt Jack Drury einen Konter zum 3:0. Drei Minuten später traf Jason Robertson in Überzahl zum 4:0 und das 5:0 40 Sekunden später von Trevor Moore fiel ebenfalls bei einer Überzahl der USA. Deutschland kam nach einer Spieldauerdisziplinarstrafe zu einem langen, teils doppelten, Powerplay, doch auch da wollte nichts gelingen. So stand es nach dem insgesamt schlechtesten Drittel dieser WM 5:0 für die USA.

Das Spiel war entschieden, es ging nur noch darum sich vernünftig zu verabschieden. Deutschland musste dabei allerdings auf Kapitän Moritz Müller verzichten, der sich am Finger verletzte. Das gelang auch, sie erspielten sich einige Chancen und kamen nach 50 Minuten zum ersten Treffer. Nach schöner Vorarbeit von Matthias Plachta erzielte Dominik Bittner sein erstes Länderspieltor. Doch im Gegenzug fiel das 6:1, Ryan Donato traf 25 Sekunden später. Die Schlussphase war geprägt von kleinen Strafen beider Teams, viel Spielfluss gab es dadurch nicht mehr. Es blieb am Ende beim klaren Erfolg der USA, die dieses Spiel verdient gewannen.

Die USA beendet diese WM auf dem 3. Platz, Deutschland belegt den 4. Platz. Auch wenn das letzte Spiel nicht zu den besten des DEB-Teams gehörte, die WM lief insgesamt gut und man hat viel Werbung für den Sport gemacht.

Schiedsrichter: L. Heikkinen (FIN), K. Vikman (FIN) – L. Nikulainen (FIN), H. Sormunen (FIN)
Strafen: USA 23 + Spieldauerdisziplinarstrafe S. Chmelevski (Check gegen Kopf- und Nackenbereich) (4/29/10), GER 14 (0/4/10)
Tore:
1:0 (05:02) Ch. Wolanin;
2:0 (26:27) C. Garland (J. Robertson, Ch. Wolanin); 3:0 (28:05) J. Drury (S. Chmelevski); 4:0 (31:35) J. Robertson (C. Garland, T. Thompson) PP1; 5:0 (32:15) T. Moore (T. Thompson) PP1;
5:1 (49:28) D. Bittner (M. Plachta, D. Kahun); 6:1 (49:53) R. Donato (A. Clendening, T. Thompson);

Stimmen zum Spiel (Quelle: Deutscher Eishockey-Bund):

DEB-Sportdirektor Christian Künast: „Heute hat uns das frühe 0:1 sehr weh getan. Die Mannschaft hat alles versucht, aber heute hat es einfach nicht sollen sein. Es war eine sehr gute WM, die Mannschaft hat mit sehr viel Leidenschaft, Teamgeist und auch spielerisch überzeugt. Mein großer Dank gilt dem ganzen Team und allen Leuten um das Team, die jeden Tag alles gegeben haben. Es gilt jetzt, den Nachwuchs weiter zu fördern, deutsche junge Spieler noch mehr an das internationale Level heranzuführen.“

Bundestrainer Toni Söderholm: „Ich bin einfach stolz auf dieses Turnier mit einer Mannschaft, die aus ganz feinen Menschen besteht. Es war eine unglaubliche Zeit und wir haben insgesamt einfach gutes Eishockey gespielt, auch wenn heute nicht unser Tag war. Gestern war unser Tag, aber da haben wir leider nicht gewonnen. Es war mir eine Ehre, mit diesen Spielern zusammenzuarbeiten. Wir können viel mitnehmen von dieser WM. Gerade spielerisch haben wir gesehen, wo die Top-Nationen stehen und haben festgestellt, dass wir gegen diese Teams sehr gut gespielt haben. Aber auch, welchen Willen und welche Leidenschaft wir brauchen, um erfolgreich zu sein.“

Verteidiger Korbinian Holzer: „Es ist schwer gerade. Die Mannschaft hat so hart gearbeitet und so viel geopfert in den vergangenen Wochen. Wir waren so nah dran, ins Finale einzuziehen und heute hat es einfach nicht gereicht. Wir haben viele Sachen richtig gemacht bei diesem Turnier, vielleicht sind es einfach noch die kleinen Details und die Kaltschnäuzigkeit, die uns fehlen zur Weltspitze. Aber wann hat eine deutsche Nationalmannschaft schon mal gegen einen amtierenden Weltmeister wie Finnland das Spiel selbst gemacht und sich nicht bloß hinten reingestellt? Daran hat Toni und der Coaching Staff einen großen Anteil. Jeder hat sich in den vergangenen Wochen den A… aufgerissen, von den Betreuern, über das gesamte Team dahinter und allen, die beteiligt waren. Auf dem muss man aufbauen, auch in der Breite des deutschen Eishockeys. Es wird sicher noch dauern, bis wir realisieren, was wir geschafft haben. Wir wollten mehr. “

Stürmer Marcel Noebels: „Es war heute leider kein guter Tag für uns. Es ist schwer zu verkraften gerade, nach dem Spiel so nah an der Medaille vorbeizulaufen. Insgesamt kann jeder darauf stolz sein, was wir hier während dieser WM geleistet haben. Ich bin sehr stolz und froh, dabei gewesen zu sein. Insgesamt sind wir zu einer Familie zusammengewachsen, jeder hat hier wahnsinnig viel geleistet und es war für die Zukunft des deutschen Eishockeys ein großer Schritt.“

Finale: Finnland – Kanada 2:3 (1:0/0:1/1:1) n.V.

Sollte es ein Spiel wie in der Gruppenphase werden, würde es ein langer Abend. Denn da gewann Finnland nach Penaltyschießen und auch Kanada zeigte, dass die Finnen zu packen sind. Nur ein Penaltyschießen wird es nicht geben, da eine Verlängerung bis zum endscheidenden Treffer gespielt würde.

Wie erwartet ließen beide Abwehrreihen zu Beginn des Spiels nur wenig zu. Nach ersten guten Angriffen von Kanada kam Finnland nach fünf Minuten zu einem Powerplay, dass aber nicht zu einem Treffer führte. Kaum komplett folgte die nächste Strafe gegen Kanada und eine Sekunde nach Ablauf der Strafe Mikael Ruohomaa das 1:0 erzielen (9.). Auch durch ein weiteres Powerplay der Finnen hatte Darcy Kuemper im Tor der Kanadier einiges zu tun. Wie sein Gegenüber Jussi Olkinuora zeigte er bis dahin eine gute Leistung. Bis zur Pausensirene gelang es beiden Teams nicht das Ergebnis zu ändern.

Kanada kam zu Beginn des Mitteldrittels zu einem Powerplay und hatte bei einem Pfostenschuss Pech (23.). Ein weiteres Powerplay direkt im Anschluss brachte den Ausgleich. Connor Brown trifft mit einem Schuss die Latte, den Nachschuss verwertete Maxime Comtois und nach 25 Minuten stand es 1.1. Viel ließen die Teams danach nicht zu, erst eine Strafe gegen Kanada brachte ab der 32. Minute wieder Torszenen. Finnland hatte leichte Vorteile, dann schlug Kanada zu. Ein Konter nutzte Adam Henrique vier Minuten vor der Pause zum 1:2. Finnland nahm eine Coach`s Challange, um eine Abseitsstellung überprüfen zu lassen. Die Entscheidung hieß kein Tor und so blieb es beim 1:1. So blieb es am Ende des 2. Drittels beim 1:1, es war also noch alles offen in diesem Finale.

Mit einer Druckphase der Kanadier startete das letzte Drittel. Die Finnen konnten sich aber nach zwei Minuten befreien und es ging wieder in beide Richtungen. Nur Torchancen blieben Mangelware, da beide Teams hinten weiter gut standen. Nach 46 Minuten fand Finnland die Lücke und Verteidiger Petteri Lindbohm traf mit einem Schuss ins lange Eck zum 2:1. Eine Strafzeit gegen Kanada konnte Finnland nicht nutzen, es gab aber eine längere Druckphase. Doch auch Kanada kam zu einem Powerplay und sie konnten daraus Kapital schlagen. Viel Übersicht und eine schöne Vorlage brachten Adam Henrique an den Puck und er traf nach 52 Minuten zum 2:2. Beide kämpften bis zum Ende, um das Spiel nach regulärer Spielzeit zu gewinnen, es blieb aber beim 2:2 und so folgte eine Verlängerung.

Mit drei Feldspielern und es ging bis ein Treffer fällt – es hätte ein sehr langer Abend werden können. Nach Chancen auf beiden Seiten brachte die 7. Minute der Verlängerung die Entscheidung. Nick Paul traf nach einem Konter und einem Doppelpass mit Connor Brown zum WM-Sieg.

Kanada holt damit den 27. WM-Titel und zieht damit wieder mit Russland gleich.

Schiedsrichter: M. Frano (CZE), Y. Romasko (RUS) – G. Lazarev (RUS), N. Shalagin (RUS)
Strafen: FIN 6 (0/4/2/0), CAN 10 + je 10 J. Danforth, S. Walker (beide Bandencheck) (16/2/12/0)
Tore:
1:0 (08:57) M. Ruohomaa (O. Kaski);
1:1 (24:30) M. Comtois (C. Brown, S. Walker) PP1;
2:1 (45:27) P. Lindbohm (K. Nousiainen, M. Ruohomaa); 2:2 (52:37) A. Henrique (M. Comtois, C Brown) PP1;
2:3 (66:26) N. Paul (C. Brown);

MVP des Turniers:

Andrew Mangiapane (Kanada)

Beste Spieler:

TOR: Cal Peterson (USA)
ABWEHR: Moritz Seider (GER)
STURM: Peter Cehlarik (CZE)

All-Star Team (gewählt von den Medien):

TOR: Jussi Olkinuora (FIN)
ABWEHR: Korbinian Holzer (GER), Moritz Seider (GER)
ANGRIFF: Andrew Mangiapane (CAN), Connor Garland (CAN), Liam Kirk (GBR)

Ausführliche Statistiken zur WM gibt es HIER

Die Abschlussplatzierungen:

Pl.

Team

1

 Kanada

2

 Finnland

3

USA

4

Deutschland

5

Russland

6

Schweiz

7

Tschechien

8

Slowakei

9

Schweden

10

Kasachstan

11

Lettland

12

Dänemark

13

Norwegen

14

Großbritannien

15

Belarus

16

Italien

Stimmen zur WM (Quelle: Deutscher Eishockey-Bund)::

DEB-Präsident Franz Reindl: „Ich bin vollkommen begeistert von den Leistungen und dem Auftreten unserer Mannschaft bei diesem WM-Turnier. Mit welcher Leidenschaft, mit welcher Einsatzbereitschaft, mit welchem Zusammenhalt und welcher großen spielerischen Qualität sich unser Team präsentiert hat, das kann alle beim DEB nur stolz machen. Nicht nur Eishockey-Deutschland hat dieses Team ins Herz geschlossen, auch darüber hinaus hat die Nationalmannschaft große Sympathien erworben und unseren Sport herausragend vertreten. Das Team hat diese WM genutzt, um Eishockey in Deutschland und international ins Schaufenster zu stellen und gerade in diesen schwierigen Zeiten ist dies ein Signal, das nicht hoch genug einzuschätzen ist. Diese Mannschaft und das Trainerteam, die gesamte Delegation um Sportdirektor Christian Künast haben Vorbildcharakter, haben die Menschen berührt und auch die Reaktionen unserer Partner beim DEB sind überwältigend. Bis zum Schluss dabei gewesen zu sein, ist überragend, die Sportwelt aus Deutschland gratuliert und wir haben auf diese Weise den Interessenkreis für unseren Sport vergrößert. Das wird uns bei den Zukunftsprojekten für das deutsche Eishockey sehr helfen und letztlich auch dabei, die Kinder zu begeistern und sie hoffentlich bald wieder zahlreich auf den Eisflächen in Deutschland sehen zu können.“

DEB-Generalsekretär Claus Gröbner: „Unsere Nationalmannschaft hat sich bei dieser WM in hervorragender Art präsentiert und eben vor allem als Team mehr als überzeugt. Die gesamte deutsche Sportwelt ist begeistert vom Auftreten und hat unser DEB-Team in gebührender Weise gewürdigt. Dieser WM-Auftritt hat Vorbildwirkung und unterstützt unsere Kampagne #backtohockey. Sie ist hoffentlich auch ein Ansporn für Kinder, sich unserem Sport zuzuwenden und die tollen Momente anzustreben, die so nur im Teamsport zu erleben sind. Wir als Verband sind stolz und voller Dankbarkeit für die Leistungen aller Beteiligten, ob in Riga und zuhause in Deutschland.“

DEB-Sportdirektor Christian Künast: „Es war ein unglaubliches Turnier, es ist hier eine Gruppe zusammengekommen, die für die Wörter Leidenschaft und Teamgeist wirklich steht. Es gibt oft solche Floskeln und man sagt sowas schnell, aber ich war in vielen Mannschaft, ob als Trainer oder Spieler und habe selten so eine Aufopferung füreinander erlebt wie hier. Das hat die Mannschaft auch nach außen gezeigt und dieses Signal ist zu 100 Prozent angekommen. Und neben all diesen Tugenden ist auch angekommen, dass wir sehr gut Eishockey spielen können, das haben wir bewiesen. Auch das ist ein wichtiges Zeichen. Ich würde mir im Nachgang außerdem wünschen, dass in Bezug auf viele andere Sportarten, nicht nur auf unsere, ankommt, dass es mehr gibt als nur eine Sportart in Deutschland. Und nicht zuletzt hat Toni Söderholm dieses Team geprägt mit seiner Art. Er hat einen sehr, sehr großen Anteil mit seinem Trainerteam.“

erschienen bei Icehockeypage